Bild: ARD/SR/team.recherche

Über Dating-Apps werden schwule Männer zu vermeintlichen Dates gelockt, dann angegriffen, ausgeraubt und gedemütigt. Eine neue ARD-Doku zeigt, dass hinter einem Teil dieser Fälle offenbar mehr steckt – und führt in eine Online-Szene, in der Queerfeindlichkeit und Rechtsextremismus aufeinandertreffen. Ein Match, ein Chat, ein vermeintliches Date – und dann Gewalt. Immer wieder werden schwule Männer über Dating-Apps wie Grindr oder Romeo zu Treffen gelockt, bei denen sie überfallen, ausgeraubt oder teils schwer verletzt werden.

Die neue Doku „Jagd auf Schwule – Wer steckt hinter den Fake-Dates?“ von team.recherche, der jungen investigativen Dokureihe der ARD, beschäftigt sich mit diesen Angriffen und der Frage, ob dahinter ein größeres Muster steckt. Das Rechercheteam hat dafür bundesweit Staatsanwaltschaften, Landeskriminalämter und Polizeidienststellen angefragt. Das Ergebnis: Mehr als 70 angezeigte Fake-Date-Überfälle in den vergangenen zehn Jahren, allein 34 Fälle im Jahr 2025. Dabei dürfte die tatsächliche Zahl deutlich höher sein. Viele Betroffene zeigen queerfeindliche Gewalt nicht bei der Polizei an. Laut einer von den Journalist:innen angeführten EU-Befragung meldet nur etwa jede zehnte betroffene Person eine solche Tat überhaupt.

Für die Doku recherchierte das Team mehrere Monate undercover auf einem Discord-Server der sogenannten Pedohunter-Bewegung 373. Rund 1.500 Menschen sollen dort Mitglied gewesen sein – darunter laut Recherche auch viele Schüler. Unter dem vermeintlichen Vorwand, gegen Pädokriminalität vorzugehen, werden dort queerfeindliche Feindbilder verbreitet. Mitglieder schreiben über Waffen und Gewalt, gleichzeitig werden LGBTQ+-Personen pauschal mit Pädophilie in Verbindung gebracht. Die Recherche zeigt außerdem Hinweise darauf, dass Rechtsextreme gezielt versuchen, in diese Szene hineinzuwirken. Verfassungsschutzämter bestätigen dem Rechercheteam zufolge, dass sogenanntes Pedohunting als Vorwand dienen könne, die Hemmschwelle zur Gewalt zu senken. Gleichzeitig sehe man darin ein Mobilisierungspotenzial für rechtsextreme Jugendliche.

Auch mit einem der Administratoren des Discord-Servers kommt das Team ins Gespräch. Er erscheint vermummt zum Interview und sagt über sich selbst: „Ich spiele einfach gern mit dem Feuer.“ Kurz nach der Konfrontation wird der Server gelöscht – später taucht ein neuer auf.

In der Doku spricht unter anderem der Berliner Sänger Leopold erstmals öffentlich über einen Überfall. Zwei Männer seien stundenlang in seiner Wohnung geblieben, hätten ihn geschlagen, gedemütigt und auf den Boden gespuckt. Besonders die Verachtung seiner Angreifer sei ihm erst später vollständig bewusst geworden. Leopold beschreibt, wie sehr er sich nach der Tat geschämt und erniedrigt gefühlt habe. Trotzdem entschied er sich, vor die Kamera zu gehen – gerade, damit die Scham nicht bei ihm bleibt.

Im Film kommen neben der Polizei auch Berliner Oberstaatsanwältin Ines Karl von der Zentralstelle Hasskriminalität und die Rechtsextremismusforscherin Rebekka Blum zu Wort. Auch die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch, wird mit einer zentralen Frage konfrontiert: Warum gibt es bis heute keine bundesweite Meldestelle für queerfeindliche Straftaten?

Die Recherche macht damit nicht nur auf eine konkrete Gefahr beim Online-Dating aufmerksam. Sie zeigt auch, wie queerfeindliche Ressentiments im Netz verstärkt werden können – und wie daraus reale Gewalt entstehen kann.

„Jagd auf Schwule – Wer steckt hinter den Fake-Dates?“
ist ab dem 18. August in der ARD Mediathek verfügbar.