Stand: 26. Juli 2026, 20.15 Uhr
Der Christopher Street Day in Berlin ist am Samstagabend nach einem tödlichen Angriff vorzeitig abgebrochen worden. Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr kurz nach 22 Uhr ein Fahrzeug im Großen Tiergarten gezielt in eine Menschenmenge. Eine Frau wurde getötet, insgesamt 29 weitere Menschen erlitten Verletzungen. Mehrere von ihnen wurden zunächst schwer oder lebensgefährlich verletzt. Nach Angaben der Polizei befand sich am Sonntagabend jedoch niemand mehr in Lebensgefahr.
Die Abschlussveranstaltung am Brandenburger Tor wurde gegen 22.30 Uhr geräumt. Von der Bühne aus baten die Veranstalterinnen das Publikum, das Gelände wegen einer „schwierigen Situation“ ruhig zu verlassen. Die Besucher*innen sollten nicht in Richtung Siegessäule gehen, sondern die U-Bahneingänge am Brandenburger Tor nutzen. Auch über die sozialen Netzwerke rief der Berliner CSD zur besonnenen Räumung des Veranstaltungsgeländes auf.
Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Verletzte und Augenzeug*innen wurden in abgeschirmten Bereichen medizinisch und psychologisch betreut. Der Tatort im Tiergarten wurde weiträumig abgesperrt und von Ermittler*innen durchsucht.
Polizei Berlin und Generalstaatsanwaltschaft fahndeten am Sonntag öffentlich nach dem 21-jährigen Abdul B. Er stand im Verdacht, das Fahrzeug gefahren und anschließend weitere Menschen mit einer Stichwaffe angegriffen zu haben. Am Sonntagabend wurde der Tatverdächtige nach Angaben der Behörden bei einem Polizeieinsatz an einer Gartenlaube in Berlin erschossen.
Die genauen Umstände des Polizeieinsatzes und des Todes des Tatverdächtigen werden untersucht. Damit ist auch die öffentliche Fahndung nach Abdul B. beendet. Die Behörden bitten weiterhin darum, Fotos, Videos und andere Beobachtungen vom Tatgeschehen zur Verfügung zu stellen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die Tat als islamistischen Terroranschlag. Abdul B. war den Sicherheitsbehörden bekannt und wurde als islamistischer Gefährder eingestuft. Nach Medienberichten soll er bereits zuvor versucht haben, sich der Terrororganisation „Islamischer Staat“ anzuschließen. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.
Gegenstand der Ermittlungen ist weiterhin, ob der Tatverdächtige allein handelte, ob es Unterstützer*innen oder Mitwisser*innen gab und wie er trotz seiner bekannten Radikalisierung den Angriff vorbereiten konnte. Zudem wird geprüft, ob nach der Fahrt durch die Menschenmenge eine weitere Tatphase folgte. Zeug*innen hatten von Angriffen mit einer Stichwaffe berichtet. Ermittler*innen zufolge soll der Täter eine Machete bei sich gehabt haben.
Das Fahrzeug kollidierte nach der Fahrt durch den Tiergarten mit einem Baum und wurde von der Polizei sichergestellt. Die Ermittler*innen untersuchen das Fahrzeug sowie weitere Beweismittel auf Spuren und mögliche Hinweise zur Vorbereitung der Tat.
Fotos, Videos und andere Beobachtungen können weiterhin über das Hinweisportal der Berliner Polizei übermittelt werden: be.hinweisportal.de. Hinweise können außerdem über den Polizeinotruf 110 oder bei jeder Polizeidienststelle abgegeben werden.
Der LSVD – Verband Queere Vielfalt sprach von einem Angriff, der die queere Community ins Herz treffe. Eine Person sei für Gleichberechtigung und die Menschenrechte von LSBTIAQ* auf die Straße gegangen und habe dafür mit ihrem Leben bezahlt. Die Solidarität des Verbandes gelte allen Opfern, den Verletzten und ihren Angehörigen.
Der Angriff habe nicht einer Party gegolten, sondern einer politischen Demonstration für die Rechte queerer Menschen – und damit auch demokratischen und gesellschaftlichen Werten. Gleichzeitig appelliert der LSVD an die Öffentlichkeit, die Trauer nicht zu instrumentalisieren und die Community nicht spalten zu lassen. Der Verband fordert, bereits bekannte Maßnahmen gegen Queerfeindlichkeit umzusetzen und Beratungs-, Bildungs- und Präventionsangebote nicht zu kürzen. Solidaritätsbekundungen seien wichtig, müssten nun aber von konkreten politischen Konsequenzen begleitet werden.
Auch aus der Politik sowie von Pride-Veranstaltungen und queeren Organisationen im In- und Ausland kamen zahlreiche Beileids- und Solidaritätsbekundungen. Bundeskanzler Friedrich Merz, der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und weitere Politiker*innen verurteilten den Angriff und riefen dazu auf, die offene und vielfältige Gesellschaft gemeinsam zu verteidigen.
In Berlin versammelten sich am Sonntag Menschen zu Trauer- und Gedenkveranstaltungen. Am Tatort wurden Blumen, Kerzen und Botschaften für die getötete Frau und die Verletzten niedergelegt. Der für Sonntag geplante „Breakfast Market“ des Berliner CSD wurde abgesagt.
Der Angriff überschattet einen CSD, bei dem zuvor Hunderttausende Menschen friedlich für Sichtbarkeit, Freiheit und gleiche Rechte demonstriert hatten. Gerade deshalb bleibt die Botschaft des Pride bestehen: Queere Menschen dürfen sich nicht aus dem öffentlichen Raum verdrängen oder durch Gewalt zum Schweigen bringen lassen.
Unsere Gedanken sind bei der getöteten Frau, den Verletzten, ihren Familien und Freund*innen sowie allen Menschen, die den Angriff miterleben mussten. PRIDE1 steht solidarisch an der Seite der Berliner Community.